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Rheinwärts

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Schiffsbrücke
Leverkusen

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Schiff21

Strecke / Gehzeit /Schwierigkeit:
ca.
9,5 km / 2 Std. / keine;
die Strecke an der Wupper folgt dem markierten "Wupperweg"

Öffentliche Verkehrsmittel:
Von Köln: DB bis Opladen Bf, von dort Bus 253 bis Opladen Steinstraße; Rückfahrt von Hitdorf: Bus 233 Haltestelle Fährstraße (an der Kirche) bis Bf. Leverkusen Mitte, von dort DB oder S-Bahn nach Köln.

Zur Kartenskizze auf gpsies.com

Einkehrtipp: Schiffsbrücke Leverkusen (Imbiss, Kaffee und Kuchen); Hitdorfer Biergarten/Eiscafé; Kran-Café Hitdorf

Literatur: unveröffentlicht. Veröffentlichte Rheinwärts-Geschichten siehe Buch.

Zur Schiffsbrücke an der alten Wupper-Mündung

Text und Foto: Bert Brune

Roland, der Verleger, hat letztens ein Buch über eine Schiffsmühle am Rhein herausgebracht. Seitdem interessiert er sich für besondere Bauten und Konstruktionen an Flüssen. Er rief mich an: „Du kennst doch die Maggy Ziegler, vom Literaturcafé Troisdorf. Die hat mir erzählt, es gebe an der alten Wuppermündung eine Schiffsbrücke, die einzige in Deutschland, da müssen wir hin!“

Auch ich bin gern am Rhein unterwegs und habe schon, zusammen mit Gilla, manche Tour gemacht und auch Geschichten darüber geschrieben. Also trafen wir uns gleich am nächsten Sonntag, fuhren mit dem Zug von Köln nach Opladen, stiegen in den Bus 253 und an der Steinstraße wieder aus. Und wanderten an der Wupper entlang. Eher ein größerer, wenig attraktiver gradliniger Bach, bis wir dann in der Ferne ein breiteres Gewässer bemerkten, und erkannten: wir waren nicht an der Wupper, sondern zunächst an ihrem Kanal, der seinerzeit einige Mühlräder in Tätigkeit gesetzt hatte. Die richtige Wupper, auf die wir bald stießen, war doch ein ansehnlicher, ziemlich schnell dahinströmender Fluss. Roland nahm immer mal wieder seine Papiere hervor, er hatte sich genau erkundigt, gab die Richtung an.

Vor der Autobahnbrücke bogen wir links ab, und bald standen wir vor der alten Wuppermündung. Ein kleiner Flussarm, über den ein solider stahlglänzender Steg führte, gestützt von drei Schiffen, die teils auf dem Ufer, teils im Wasser standen. Lange hatte diese Konstruktion einen Sinn gehabt, war nämlich der einzige Wupper-Übergang in der Gegend für die vielen Bayer-Arbeiter, die aus Richtung Rheindorf kamen, um in Leverkusen zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Aber dann konnten sich immer mehr von ihnen ein Auto leisten – und in den siebziger Jahren wurde die Flussmündung einige hundert Meter weiter nach Norden verlegt, um Platz für eine Kläranlage und eine Mülldeponie zu schaffen. Von der alten Wupper blieb nur mehr ein Wasserarm übrig.

Die Schiffsbrücke wurde zwar schon damals ein Ausflugsziel, doch die Zahl der Besucher konnte mit den immer höheren Auflagen für den Weiterbetrieb nicht mithalten und musste nach der Streichung städtischer Zuschüsse kapitulieren. Die Schiffe waren noch da, aber im Laufe der Jahre marode geworden, weil sich niemand um sie kümmerte. Bis sich vor einiger Zeit ein Förderverein der Sache annahm, Gelder beantragte, den Steg erneuerte und die Schiffe in Holland renovieren ließ.

Dies alles erzählte uns Roland, der sich auf der Schiffsbrücken-Webseite vorher schlau gemacht hatte. Und wir waren dann schon fast Experten, als wir den eisernen schmalen Weg runtergingen und uns vor dem Kiosk im mittleren Schiff in die Reihe stellten und Kaffee und Kuchen besorgten. Und trugen selbst die schön geformten weißen Teller und Tassen auf eine der Terrassen, guckten den Leuten zu, die ihre Fahrräder und Kinder und Hunde über den Steg leiteten. Schönes Wetter, man konnte von hier zwischen den Büschen hindurch den Rhein sehen und zu unseren Füßen die Kinder betrachten, wie sie mit Steinen jonglierten und Zweige in das niedrige Wasser dieses alten Wupperarms warfen.

Roland, der Neugierige, hatte dann eine der beiden Frauen, die am Kiosk die Getränke und den Kuchen ausgaben, in ein Gespräch verwickelt, und Frau Wichmann, wie sie hieß, führte uns dann in das Schiff nebenan, und wir sahen, es gab einen ziemlich großen Raum, der bei Regen als Café benutzt werden konnte oder wenn Gesellschaften ihn anmieteten, es wurden hier auch mal Lesungen und andere Kulturveranstaltungen organisiert, und in Vitrinen mit Fotos und Bildern und kleineren Objekten konnte man etwas über die Geschichte dieser Schiffbrücke erfahren. Da man sich einem Naturschutzgebiet befindet, so erfuhren wir von Frau Wichmann, gab es keine Versorgungsleitungen und man musste sich selbst um Strom und Wasser kümmern. Die Einrichtungen dafür waren in dem Pontonteil untergebracht, das war kein Schiff, wie wir erst dachten, sondern ein schwimmender Stahlkasten, auf dem auch eine der Café-Terrassen war, und unten die Toiletten, „sehr sauber und modern“, wie Gilla uns berichtete.

Es hatte hier damals drei Schiffe gegeben, namens „Freiheit“, Recht“ und „Einigkeit“. Die „Einigkeit“ liege zurzeit noch, wie Frau Wichmann erklärte, im Hafen von Duisburg und würde bald wieder zurück auf ihren früheren Ankerplatz gebracht werden.

Dann verabschiedeten uns von dieser wirklich sehenswerten, ziemlich originellen Rhein-Wupper-Attraktion, wanderten am Rheinufer weiter Richtung Hitdorf. Nahmen aber nicht die Fähre nach Langel, sondern suchten Schutz vor dem einbrechenden Regen in einem Lokal am Ufer und genehmigten uns, nach dem Kaffee und Kuchen hoch oben auf der Schiffsbrücke, noch ein Bierchen und Weinchen, um gestärkt zur nächsten Bushaltestelle zu gehen. Roland hatte auch diese Möglichkeit auf einem seiner Papiere festgehalten. Und zurück ging’s, wieder mit der Linie 253, in die Zivilisation, nämlich zum Bahnhof Leverkusen Mitte, und weiter nach Köln.

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