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Bert Brune

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BertBruneBlog Juni 2017
 

Fred & Lena: Wie es anfing (3) oder:
„Ich wohne hier gleich um die Ecke.“

An einem der nächsten Abende machte Fred, als er aus der Straßenbahn stieg und nach Hause ging, dann doch noch den Schlenker zu Clemens hin, mehr so im Unterbewussten – und Lena stand da. Am Tresen. Zwar nicht allein, sondern wieder bei Arnold. Beide hatten einen Fuß nebeneinander unten auf die Tresenstange gestellt, was einen ziemlich partnerschaftlichen Eindruck machte. Aber als Fred dann betont desinteressiert sich hinten in der Nähe der Musikbox aufbaute, natürlich in der Hoffnung, dass sie ihn dann beim Blick zur Seite ins Visier nehmen konnte, da geschah es tatsächlich: „Hallo Fred!“, rief sie und kam rüber. Löste sich flugs von dem ansehnlichen, wenn auch großmäuligen, ein bisschen sehr lässigen Arnold und trat zu ihm.

Das war ja nun wirklich ein deutliches Zeichen. Das war die endgültige rote Karte für Arnold. Und Fred war nun nicht mehr unruhig. Sie warfen noch die eine oder andere Münze in die Musikbox, ließen das „Samba Pa Ti“ von Carlos Santana langsam in sich reinfließen und saugten, Schulter an Schulter am Tresen stehend, den süßen, sanften Sound von Lou Reeds „Walk On The Wild Side“ genüsslich auf.

Und gingen dann. Und Lena war fügsam, sagte ohne Weiteres Ja, als er meinte: „Ich wohne hier gleich um die Ecke.“

Dann war es so weit. Sie drückten sich noch ein bisschen auf dem Flur, aber lagen bald auf dem Laken. Erst ein wenig bedeckt, dann nicht mehr. Die Natur treibt einen unaufhaltsam vorwärts. Das uralte ewige Gesetz. Es funktioniert, es gewinnt die Oberhand über alle Bedenken, über alles Zögern, über jedes vernunftmäßig bedingte Zaudern. Mit Gummi oder ohne, das war nicht die entscheidende Frage, jedenfalls damals nicht, als das Aids-Gespenst sich noch nicht am Horizont drohend zeigte.

Seltsamerweise zerfloss das Bild der ersten Nacht, immer, wenn Fred daran zurückdachte. Als wäre es doch nicht so bedeutend gewesen – oder weil der Kopf, das Gehirn so wenig beteiligt war? Er spürte höchstens noch den Geschmack der Haut, den Duft aus den Poren, aber ein plastisches farbiges klares Bild löste sich nicht aus dem Dunkeln.

Fortsetzung folgt.

 

© Bert Brune 2017.

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